Soziale Netzwerke – Mittelalter und Heute
oder Anrede “Freund” schafft vertrauen
oder Sprich “Freund” und tritt ein
Ich habe am Freitag meine monatliche Ausgabe EPOC per Post erhalten. Kein digitales Zeitschriften-Abo, noch so richtig in Papierform. Da freut sich mein Briefkasten und man hat wieder etwas am Monatsende für den Zeitschriftenstapel…
Hier ein Link zum Reinblättern in die Ausgabe. Leider in Flash.
Es gibt natürlich ein gutes und günstiges ePaper-Abo, aber bisher bin ich bei einigen Zeitschriften noch dem Papier treu geblieben: Seit über 20 Jahren c´t, seit 2 Jahren Spektrum der Wissenschaft und seit einer Weile EPOC. In der aktuellen Ausgabe ist ein Artikel zum Thema Familie im Mittelalter. Überschrift “Vater, Mutter, Kind”. Und wenn man genau liest, findet man im Mittelalter den Ursprung zum Poken, Gruscheln und sonstigen Freundschaftsbezeichnungen der Generation “Social Media” aka Massive-Online (MO).
Als ich vor sechs Wochen diesen neuen Blog startete habe ich nur wenige Stammleser / Freunde vom alten Blog mitnehmen können. Zu groß doch der Themenunterschied. Es fehlte die “Relevanz” für den alten Freundschafts- / Leserkreis. In meinem frisch gestarteten Twitter-Stream melden sich immer wieder Leute an und ab. Follower wählen die für sie relevanten Themen / Streams aus. Das Entfolgen ist nur einen Klick entfernt. Ich habe das Gefühl, als ob RSS-Feed-Leser nicht so schnell dem Bezug zu einem Blog verlieren, wie Follower bei Twitter zum Bezug. Oder liegt es nur daran, das das Abmelden eines RSS-Feeds umständlicher ist? Oder weil man den Feed einfach besser im Google-Reader-Ordner herumdümpeln lassen kann? Dort stört er weniger als bei Twitter ein Stream mit aktuell irrelevanten Themen? (Würden dann mehr Leute Listen folgen wollen?)
Zurück zum Thema Mittelalter: Die Familie
Im Artikel geht es in erster Linie um die Familie und das soziale Netzwerk der Verwandtschaft im Mittelalter. Anders als vermutet gab es schon damals weniger “Großfamilien” als heutige Familiengrößen: max. 5 – 6 Personen im Haushalt. Verwandte hatten eine starke Bindung und waren in der Regel an eine Region gebunden. Man half sich in der Familie. Nicht immer so einfach… das Thema “Pflege im Alter” wurde teilweise schriftlich Fixiert.
Neben dem sozialen Netzwerk “Familie” gab es für einige Berufsgruppen noch ein zweites soziales Netzwerk: “Freundschaft”. Spannend für den Bereich Social Media und damit auch für Blogs / Twitter / Facebook usw. fand ich diese Passage:
Innerhalb der Stadtgesellschaft nahm die Freundschaft einen wichtigen strukturellen Platz ein, vor allem für Vertreter mobiler Berufsgruppen. Gelehrte nutzen die Ansprache “Freund” untereinander, um leichter Beziehungen aufzubauen. Sie sprachen von Freunden, wenn sie soziale Hierachien kaschieren wollten. Kaufleute fassten diese Form der Beziehung vor allem als Übergangsstadium und Zweckverbindung auf. Sie begegnen dem Begriff frünt (Freund) vor allem in ihrer Geschäftskorrespondenz.
Auch Personen, die zum ersten Mal miteinander zu tun hatten, wählten diese Anrede. Sie verweist also nicht unbedingt auf eine bereits bestehende Beziehung, sondern war eine Formel, mit der Händler Fremde wohlwollend stimmen wollten. “Freund” steht in diesem Zusammenhang nicht für Personen, die einander emotional zugetan sind, Zeit miteinander verbringen oder einander bedingungslos helfen würden. Der Begriff verweist vor allem auf die Normen, denen sich die Gruppen der Kaufleute verpflichtet fühlen.
Anrede Freund schafft vertrauen
Auch wenn wir eine solche Geschäftsbeziehung keinesfalls als emotionale Bindung zwischen zwei Individuen missverstehen dürfen, orientierte sie sich in mancher Hinsicht an dieser Vorstellung: Die Händler erwarteten voneinander, dass sich der jeweils andere entgegenkommend verhielt. Die Anrede sollte Vertrauen schaffen und dabei helfen, eine gleichberechtigte Beziehung herzustellen.
Auf Messen und Reisen konnten sich Kaufleute nicht in erster Linie auf die gewachsenen Strukturen ihrer Herkunftsfamilien stützen. Sie mussten soziale Praktiken entwickeln, die die Abwesenheit dieser Netzwerke kompensieren konnten.
Wenn man den Text so liest… denke ich an LinkedIn und Xing. Und wie wir heute die Begriffe Freund, Bekannte usw. verwenden -> Da gab es einen Wandel, wir sprechen heute von Kontakten. Richtige Freunde haben eine nähere Bindung als nur ein Geschäftskontakt. ”Netzwerken” gab es schon im Mittelalter – Keine Sache aus den letzten Jahren. Social Media ist “Steinalt”. Auch wenn wir Hippen Social-Media-Branchenleute das gern als NEU darstellen wollen, neu ist nur die maschinelle Auswertbarkeit. Im Mittelalter gab es den Datenschutz “Was sollen nur die Leute denken”.
Ein drittes Netzwerk?
Seit langer Zeit gibt es Familie und Freunde, zwei soziale Netzwerke unserer heutigen Zeit. Das Netzwerk “Freundschaft” entstand durch die Mobilität einiger Personen im Mittelalter (oder früher) während der Rest am Ort blieb. Ändert sich das Netzwerkverhalten durch die heutige, hochmobile Gesellschaft? Oder durch Social Media?
Sprich “Freund” und tritt ein
Im Herrn der Ringe möchten die Gefährten durch das Tor von Moria. Das Paßwort um die Tür zu Öffnen war “Freund”. Vielleicht hat Tolkien schon damals an die alte Bedeutung von “Frünt” gedacht? Reisende Kaufleute im Herrn der Ringe. Womit wir den Relevanz-Bogen dieses Beitrags nun aber leicht Überspannt haben…
Viele Grüße aus Essen,
Gerhard Schröder
PS: Nun sind wir wieder beim Thema Relevanz. Ist dieser Beitrag in meinen Augen wichtig für PadLive? Ja, denn verstehen wie es zu Freundschaften, Follower, RSS-Abonnenten kommt oder zu Abmeldungen (Siehe BasicThinking.de), kann nur helfen. Ebenso finde ich es wichtig über die Herkunft der ganzen Sache Bescheid zu Wissen. Auch: Ja, denn Social-Media-Reader wie Flipboard leben von den Twitter-Nachrichtenströmen der Nutzer. Und wenn dort die Relevanz zu meinen persönlichen Interessen fehlt weil für mich falsche Follower die falschen Nachrichten Re-Tweeten, dann stellt sich eine Relevanz-Frage. Oder… mehr Geduld mitbringen. Wie dem auch sei… Ich teste weiter RSS vs. Social-Reader. Abonniert meinen RSS-Feed, werdet mein Follower bei Twitter (@PadLive) und habt etwas mehr Geduld. Ich schaue gern über den Tellerrand. Wer einen App-Test-Blog sucht mag bei appforthat.de vorbeischauen, als Gadget-Blog eher das iPad-Mag.de und für News eher iphoneblog.de. Für jede Interessenlage die passende Relevanz. Schönen Wochenstart…
18.10.2010 – Nachtrag: Zum Thema Freundschaft gibt es ein Video auf isarrunde.de:
httpv://www.youtube.com/watch?v=Cq80KmL4RY0

11/10/2010 @ 07:46
Soziale Netzwerke – Mittelalter und heute http://bit.ly/aqLIII
11/10/2010 @ 07:49
RT @kaifischer: Soziale Netzwerke – Mittelalter und heute http://bit.ly/aqLIII
11/10/2010 @ 06:54
Danke für den Lesetipp; da es genau um das Thema bei mir im Studium geht, werde ich mir die Zeitschrift holen (bin sonst mehr der Damals-Leser).
11/10/2010 @ 07:02
Du kannst auch die Ausgabe als PDF sofort kaufen:
http://www.wissenschaft-online.de/artikel/1047659&template=d_sdwv_pdf_login&_nur_ppd=ja
Viele Grüße,
Gerd
11/10/2010 @ 08:16
Hallo Gerhard,
tolles Thema. Danke für den Anstoß.
Ich finde, du solltest vielleicht noch mal über den Artikel lesen und an der einen oder anderen Stelle die Lesbarkeit verbessern.
Grüße, jo
Bsp.: “Anders als vermutet gab es schon damals weniger Großfamilien als klassische Familiengrößen noch vor ein paar Jahrzehnten: 5 – 6 Personen im Haushalt.”
11/10/2010 @ 08:29
Hallo Jo. Danke.. Ich probiere es. Passage z.B. umgestellt.
Viele Grüße aus Essen,
Gerd
11/10/2010 @ 13:21
@RobGreen Soziale Netzwerke – Mittelalter und Heute http://bit.ly/aKVptT
11/10/2010 @ 14:16
#iPad: Soziale Netzwerke – Mittelalter und Heute http://dlvr.it/6tfCR #Allgemein #Arbeit #Blogs
11/10/2010 @ 16:56
RT @PadLive: Soziale Netzwerke – Mittelalter und Heute http://bit.ly/aKVptT Vom Mittelalter bis Facebook und rüber zum Herrn der Ringe: …
12/10/2010 @ 06:10
@Werkkanon Morgen Roland. Danke für den netten Post. Passend dazu: Soziale Netzwerke – Mittelalter und Heute http://bit.ly/aKVptT
12/10/2010 @ 07:43
Sehr interessanter Artikel zum Thema Freundschaft, Follower und Beziehungen bei @PadLive http://ow.ly/2S3Z7
12/10/2010 @ 07:40
Hi Gerhard,
sehr schöner Artikel, da schlägt mein Soziologenherz gleich höher
Ich habe übrigens genau eine Zeitschrift abonniert: das TIME Magazine. Dafür gibt es zwar eine digitale Ausgabe, aber die ist leider um ein Vielfaches teurer als die gedruckte Ausgabe.
Zum Thema Freundschaft, Follower … ich denke, dass es heute zwar einfacher denn je ist, Menschen mit gemeinsamen Interessen zu finden (Tags & trending Topics), aber ob man daraus dauerhafte, tiefe Beziehungen ableiten kann wie sie in der persönlichen Interaktion entstehen … ich weiß es nicht.
Und ich habe meine Diplomarbeit zu diesem Thema geschrieben
Danke für die Mentiion, btw.
12/10/2010 @ 16:27
Hallo Julia,
vielen Dank für die Blumen.
Ich hatte bei dem Beitrag ja auch nicht dauerhafte Beziehungen im Sinn, sondern kam auf die Themenschnittmenge mit den schnellen Follower-Wechseln und dem Wort Freundschaft. Mal sehen wohin mich diese Beitragsrichtung treibt…
Viele Grüße aus Essen,
Gerd
PS: Kennst Du schon Die Zukunft der deutschen Schützenvereine in der Welt der Generation “MO”?
13/10/2010 @ 11:18
Hehe, dass du das Thema nicht eng fassen willst/kannst, wundert mich nicht
. Mir solls recht sein, wenn das ein reiner iPad-Newsblog wäre, gäbe es für mich ja gar nix Interessantes zu lesen.
@Topic: Dass die neuen Begrifflichkeiten des Web ganz oft keine neuen Erfindungen bedeuten, war mir allerspätestens mit “Web 2.0″ klar – die inhaltslose Phrase par excellence ^^.
13/10/2010 @ 12:56
Was sich ändert gegenüber dem Mittelalter ist die Leichtigkeit der Datenauswertung. Forscher müssen Tagebücher auswerten um zu erfahren wen-mit-wem und heute… die passende Datenquelle, Software und Go.
Viele Grüße aus Essen,
Gerd
15/10/2010 @ 15:04
@sabinehaas Ein Link zum Thema Freundschaft und der Wortbedeutung aus dem Mittelalter: http://bit.ly/aKVptT Viele Grüße aus Essen, Gerd
Pingback: Interview: Yitu – der WAR-Blog Veteran - WAAAGH.de
21/11/2010 @ 11:19
@gibro Kleiner Lesetipp für Dich: Soziale Netzwerke – Mittelalter und Heute http://bit.ly/azFy7b
27/01/2011 @ 09:24
Noch ein Beitrags-Evergreen: Soziale Netzwerke – Mittelalter und Heute http://bit.ly/azFy7b