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Vorgeschichte

Vor einigen Tagen erhielt ich eine Standard-Email vom Verlag Hoffmann und Campe und musste sofort wieder an Robert Basics Beitrag über Blogger Relations denken: Eine Standard-Email. Zitat „…im Anhang finden Sie eine Pressemeldung, über deren Veröffentlichung auf Ihrer Site wir uns sehr freuen würden.“ Ich bin mir nicht sicher, es kann aber sein, das ich diese Email schon einige Wochen vorher erhalten habe und damals zunächst löschte. Einfach, weil ich diese Art der o815-Ansprache für Blogs „nicht Optimal“ halte. Sie erinnert mich immer an Postwurfsendungen.

Ich ging die Sache auf meine Art an. Knappe Antwortemail mit der Bitte um ein Interview und Promo-Code. Das andere Blogger schon Gewinnspiele (z.B. Appforthat.de) oder Reviews verfasst haben war für meinen Blog hier nicht wichtig. Für eine „App-News“ war ich sowieso wie immer „zu Spät“ am Start. Schnell erhielt ich per Email den Promo-Code und schaute mir die App an. Siehe dazu mein Beitrag CAGOT von Tom Knox, eine bebilderte Enhanced-eBook-Review.

Vorbereitung für das Interview

Ich fragte per Email an, wer denn mein Interviewpartner sein würde und verwies als Beispiele auf meine Interviews mit dem Pieper-Verlag oder Markus Heitz. Ich erhielt die Antwort, es würde der Geschäftsführer von Hoffmann und Campe sein. Ein kleiner iPad- Blog und der Chef wird die Antworten verfassen? Blogger als Chefsache? Also überlegte ich mir, weniger die angedachten App-Technik-Fragen zu stellen, sondern mich auf dieses Interview gesondert vorzubereiten: Web-Recherche. Dabei fand ich dieses Video bei WasmitBuechern.de, das mir sehr bei der Vorbereitung geholfen hat. Danke an Leander Wattig.

Danke an dieser Stelle auch an Jürgen aka happybuddha1975.de, der mit per Email auch ein paar Fragen zuschickte. Am letzten Donnerstag setzte ich mich dann in Ruhe hin und ging meine Notizen für Fragestellungen durch.

Hinweis: Zur Unterscheidung zwischen meinen Fragen
und den Antworten von Herrn Klose habe ich die Fragen FETT markiert.

Herr Klose, wie wird man denn Geschäftsführer eines Buch-Verlags?

Ich bin sozusagen gebürtiger Buchhändler und habe anschließend in verschiedenen Verlagen – unter anderem beim Heyne Verlag oder bei Langenscheidt – Vertrieb- und Marketingverantwortung übernommen. Tja, und dann hat der Vorstand der GANSKE VERLAGSGRUPPE offenbar den Eindruck gehabt, ich sei reif für diese Position. Bei HOFFMANN UND CAMPE bin ich als Geschäftsführer verantwortlich für den Vertrieb, das Marketing und den kaufmännischen Bereich.

Ihr Vortrag endete mit einem tollen Satz:

Es geht immer ums Gleiche.

Der Verlag muss seinen Autoren mit seinem Buch möglichst optimal anbieten, kommunizieren, bewerten, verkaufen, vorstellen, bejubeln, verkuppeln, und platzieren.

Egal wo. Egal wie.

Das ändert sich ja auch nicht bei eBooks. Wie sehen Sie da die Zukunft? Werden deutsche Buchverlage bewährte App-Promo-Formen wie „Kostenlos für kurze Zeit“ oder temporäre Angebote umsetzen? Die Cagot-App ist ja sogar ein wenig günstiger als das gedruckte Buch. Trotz Buchpreisbindung!

Fragen zur genauen Zukunft im Bereich eBook finde ich schwer zu beantworten. Grundsätzlich gilt es im Augenblick noch, alles auszuprobieren. Die Marktanteile sind noch nicht so groß, als das man hier viel gewinnen oder verlieren könnte. Temporäre Angebote beispielsweise halte ich für eine interessante Option.

Dass die Apps und eBooks grundsätzlich günstiger sind als gedruckte Bücher, wird auch in Zukunft sicher so bleiben. Dafür gibt es ja auch gute Gründe. Die Buchpreisbindung an der Stelle verlangt ja nicht, dass die Bücher und eBooks gleich teuer sind, sondern lediglich, dass der Preis, den der Verlag für das eBook festlegt, dann auch wirklich auf allen Plattformen gilt. Dabei kann der Preis aber deutlich günstiger sein.

Wenn man sich das Zitat durch den Kopf gehen lässt, stellt sich für mich als Leser die Frage, was der ganze Hype um den „Selbstverleger“ soll. Social Media kostet Zeit und damit Geld, auch einem Autor, der alles aus einer Hand machen möchte. Es wird also in Zukunft erfolgreiche Autoren via Eigenvermarktung geben, die Personal für die Social-Media-etc-Relations einstellen, um wieder Zeit fürs Bücher schreiben zu haben. Da sind dann ja „doch wieder“ Verlagsmenschen, oder?

In der Tat, das halte ich auch für einen „Hype“. Ich bin überzeugt davon, dass in Zeiten von Social Media immer wieder auch Texte bekannt werden können, die ohne jede Promotion einfach durch die sog. Mund-zu-Mund-Propaganda bekannt werden. Aber letztlich – sieht man ja auch an der extrem umfänglichen Net-Label-Situation im Musikbereich – bedarf es bei einem vielstimmigen, umfänglichen Angebot insbesondere der Durchsetzung damit das eigene überhaupt wahrgenommen werden kann. Hier haben Verlage auch auf Dauer einfach bessere Möglichkeiten. Trotzdem, wie man ja ganz aktuell sieht: Die Autorin der Harry Potter-Bände plant die eBook-Edition über eine eigene Website und hat die eBook-Rechte nicht an die Verlage in der Welt lizenziert. Solche und ähnliche Varianten wird es in Zukunft sicher mehr geben. Aber ich gebe es zu, ich bin hier sehr gelassen.

Sind Blogger-Kontakte via Social Media, wie in dem Vortrag zu hören, für Sie immer noch Chefsache?

Ganz grundsätzlich gilt, dass sich die Kommunikationsarbeit eines Buchverlages ändern muss. Neue Angebote im Netz erfordern auch neue Kommunikationswege, klar. Die klassische Pressearbeit, also, hat neue Aufgaben, der sie – das ist mein Eindruck – im Großen und Ganzen noch nicht überall gerecht wird. Auch wir müssen hier noch eine Menge lernen.

Warum erfolgt dann die Ansprache der Blogger auf so klassischem Wege? Keine persönliche Email, die auf den jeweiligen Blog eingeht? Wie läuft bei Ihnen die Blogger-Relation ab?

Total berechtigte und sinnvolle Frage. Wir müssen eben noch lernen, wie gesagt.

Wenn ein Leser / Blogger etc. nun eine Meinung im Social Web verbreitet, wie nehmen Sie davon Notiz? Gibt es bei HoCa ein Social Media Monitoring?

Nein, gibt es nicht – halte ich aber für nötig, wenn ich mir die Zukunft betrachte.

An der Stelle gleich zur App CAGOT, den Fehlern im Text und den Verbesserungsvorschlägen aus meiner App-Review: Wird es ein Update geben? Sie gehen in der aktuellen itunes-App-Beschreibung auf Probleme mit der iPhone-Version ein.

In der Tat ist die Problematik in der iPhone-Version zurecht kritisiert. Wir arbeiten hier an einem Update, das hoffentlich möglichst bald kommt. Von solchen Rezensionen und kritischen Hinweisen sind wir geradezu abhängig. Wir freuen uns darüber.

Gibt es schon Patchnotes für das Update? Mit dem Release-Datum ist das ja so eine Sache im Store.

Die Unsicherheit bei den Release-Daten ist in der Tat ein unangenehmes Thema und hat letztlich auch etwas mit Unfreiheit bzw. Zensur zu tun.

In der App zu Cagot gibt es ein interessantes Video, die Cagot-Files, eine Alternate- Reality-Game-Aktion. Planen Sie weitere solche Aktionen? Für Blogger? Siehe Robert Basic und Blogger zu Reise-Events einladen? (Ich packe schon den Koffer…)

Unser Alternate-Reality-Game zur Vorbereitung des Erscheinens von „Cagot“ und des Erscheinens des eBooks war das Umfangreichste, das bisher von einem Buchverlag durchgeführt wurde. Allein 4 Live-Events unter anderem in Frankfurt und im Baskenland erforderten einen enormen logistischen und organisatorischen Aufwand, den unser Kooperationspartner vm people aus Berlin hervorragend bewältigt hat. Auch der Autor Tom Knox war eingebunden, hatte Spaß an dieser Initiative, hat seine Erfahrungen auch in England weitergegeben.

Es ist auf der anderen Seite aber nicht leicht, solche ARGs dann auch in den unmittelbaren Buchverkauf münden zu lassen. Virales Marketing oder multimediales Storytelling bietet zwar ein großes Potenzial zum Durchsetzen an, kann aber letztlich auch nur ein Bestandteil der Kommunikation sein. Wir sind mit dem Erfolg des Games zufrieden.

Frage vom Blog-Leser Jürgen:

Gerade bei der App Cagot sieht man sehr gut die Möglichkeit, dem Kunden ein eBook anzubieten zusammen mit einem Mehrwert. Sind das erste “Schritte” in eine neue eBook-Generation? Werden weitere folgen?

Es gibt eine breit angelegte Diskussion mit ganz unterschiedlichen Meinungen zu der Frage, ob Mehrwert bei eBooks eine von Verbrauchern und Lesern gewünschte oder nicht gewünschte Erweiterung ist. Ähnlich wie bei Blue Rays oder DVDs gibt es eben solche, die sich nur für den Film interessieren und andere, die auch weitere Informationen wahrnehmen wollen. Ich habe hier keine Vision, die Kosten allerdings für die Erweiterung von eBooks sind enorm und die Absätze dafür, jedenfalls zurzeit, noch nicht adäquat. Uns geht es in erster Linie darum, Erfahrungen bei der Produktion zu sammeln, zu sehen, was wie funktioniert, und zu lernen – auch aus dem Feedback der User.

Wieder zum Vortrag :

Sie sprachen von der Vision einer iHoCa-App um die Verlagsprodukte vorzustellen / zu verkaufen. Ich habe die App nicht im App-Store gefunden. Was wurde aus der Idee?

iHoca App ist entwickelt gewesen. Wir haben sie jetzt zurückgestellt, weil wir gerade auch bei einem Relaunch der Website sind. Beides wird dann zusammen im Spätherbst fertig sein.

Bleiben wir gleich beim Thema Produkte bewerben:

Auf der HoCa-Website finde die Produktbeschreibungsseite zum Roman CAGOT ohne Hinweis auf eBook oder “Enhanced eBook” Woran liegts?

Vielen Dank für den Hinweis: Werden wir ändern.

Im Vortrag war die Rede von einem Relaunch der Website im ersten Halbjahr 2011. Das Halbjahr ist bald um…

Auch das ist eine vielleicht nicht ganz ungewöhnliche aber lehrreiche Erfahrung. Ambitionierte Zeitpläne bei so einem Thema sind sinnlos. Wir haben ein halbes Jahr Verzögerung. Aber das werden wir schaffen …

Frage vom Blog-Leser Jürgen:

In der Vergangenheit lag der Fokus eines Verlages auf den Verkauf von Bücher. Mittlerweile besteht auch die Möglichkeit eBooks zu erwerben. Wie ist aus HoCa-Sicht die Resonanz bei deutschen Kunden auf diese neue Bücherart?

Der Fokus eines Verlages liegt immer auf dem Verkauf von Texten seiner Autoren. Lange Zeit hieß das nur Bücher, seit einigen Jahren schon Bücher und Hörbücher – nun eben auch eBücher. Die Resonanz bei deutschen Lesern ist deutlich geringer als zum Beispiel in den USA, aber die Absatzzahlen steigen – sicher ein Zukunftsmarkt.

Deutsche Verlage sind beim Thema Kopierschutz stark mit dem Adobe-DRM am Markt unterwegs. Als iPad-eBook-Leser erlebt man da so manche eBook-Odyssee und ich kann bis heute nicht behaupten, das es deutsche Verlage den iPad- Lesern einfach machen wollen. Seit Monaten ist mein Blog-Beitrag HowTo eBooks mit Adobe DRM auf dem iPad lesen mein bestbesuchter Blog-Beitrag.

In klassischen eBook-Shops findet man keine Hinweise, wie man als iPad-Nutzer, der LEGAL deutschsprachige Bücher lesen möchte, diese kaufen und auf das Gerät transferieren kann. Da hilft inzwischen zig tausend Lesern via Google mein kleiner Blog-Beitrag. Warum ist das so? Wieso gibt es keine gute Erklärungsseite der deutschen Verlage zu dem Thema?

Wollen deutsche Verlage keine iPad-eBook-Leser als Kunden?

Ergänzung: Ich denke ein großer Teil des Erfolgs von itunes ist nicht der
Musik- Kopierschutz, sondern die kinderleichte Nutzung des Systems
und die völlige Ausblendung des Kopierschutzes als Musikkonsument.
Bei deutschen eBooks ist dies leider nicht der Fall!

Das Thema Digital Rights Management ist aus meiner Sicht noch lange nicht zu Ende diskutiert. Auch ich glaube, dass wir in der Buchbranche die Schritte gehen müssen, die die Musikindustrie bereits hinter sich hat. Immerhin haben wir viel früher als die Musikindustrie legale Angebote zur Verfügung gestellt. Bei der Musik war es ja jahrelang so, dass Download-Interessierte geradezu illegal handeln mussten, um an ihre Downloads überhaupt zu kommen. Das ist jetzt bei uns nicht der Fall.

Dennoch, auch ich finde, dass das Prozedere mühsam ist, und glaube, dass das wesentlich flexibler werden muss. Hier geht es auch um einen Bewusstseinswandel. Ich bin davon überzeugt, dass wir hier in der Zukunft konsumentenfreundlicher werden.

Den „How to eBooks“-Blogeintrag finde ich einleuchtend. Die Frage, warum das kein Verlag erstellt hat, ist völlig berechtigt. Aber auf der anderen Seite ist es doch klasse, wenn solche Hilfestellungen eben gerade nicht von den Anbietern, sondern von Usern gemacht werden. Herzlichen Glückwunsch dazu!

Zurück zum Thema Social Media:

In dem Vortrag erwähnten Sie den @iHoCa-Twitter-Account und die schlechte Nutzerresonanz via Twitter. Dieser Account hat nun schon seit Wochen nicht mehr gezwitschert. Im Vortrag sagte Sie noch „Wir machen viel über Twitter.“ Hat der Verlag das Twittern nun eingestellt?

Das Twittern ist in der Tat bei uns zurückgegangen. Auch wenn man gerade wieder das Gefühl einer Renaissance von Twitter hat, bleibt die Kommunikationsmöglichkeit über Bücher in diesem Raum doch arg begrenzt.

Wie klappts als Verlag via Facebook ?

Wir haben jetzt 1.000 Begleiter unseres Facebook-Auftrittes, der aus meiner Sicht noch ausbaubar ist. Aber es macht Spaß, hier Neues zu probieren und damit auch direkten Kontakt zu unseren Leserinnen und Lesern zu bekommen.

Sie folgen den Nutzern ja auf die entsprechenden Plattformen zur Buchbewertung usw. Welche Communitys haben Sie persönlich im Fokus?

Da möchte ich keine einzelnen nennen. Ich glaube einfach, dass es für jedes wesentliche Segment eines Programms von einem Belletristik- und Sachbuchverlag spannende und wesentliche Plattformen gibt oder diese noch entstehen werden. Unsere Aufgabe ist es, alle frühzeitig wahrzunehmen und intelligent und persönlich zu versorgen.

Noch eine Frage zum Vortrag:

Ihre Aussage dort war, das „Rezensionen immer Unglaubwürdiger werden“. Das kann ich gerade im Blogger-Umfeld bestätigen. Welcher Blogger, der auf den nächsten Promo-Code scharf ist, verreisst schon eine App? Wie sehen Sie an der Stelle die Zukunft zwischen Bloggern und Verlagen? Im klassischen, redaktionellen Umfeld wird inzwischen von „Transparenz ist die neue Objektivität“ gesprochen.

Das ist ein ganz weites Feld. Unmittelbare Besprechungen haben viele Vorteile. Aber ganz individuelle Meinungen möglicherweise auch über ganz andere Themen, die nur mittelbar im Zusammenhang mit dem Buch stehen, können dann plötzlich Ursache für einen Verriss oder auch ein unangebrachtes Lob sein. Als Buchverlag darf man auch die Nähe zu den Bloggern bzw. Rezensenten nicht übertreiben. Klar, Transparenz ist wichtig, dennoch wird das auch immer Aufgabe der Blogger und Rezensenten sein, ihre Unabhängigkeit vom Verlag nach außen darzustellen und dadurch Glaubwürdigkeit zu erhalten. Ein Spannungsfeld, sicher, aber eines, in dem wir uns alle gemeinsam gut bewegen können.

Frage vom Blog-Leser Jürgen:

Wie sieht die Zukunft aus, ein größeres Bücher- oder eBookangebot? Vermehrt eBooks zu Nischenthemen da die Herstellung und Vertrieb günstiger ist als ein klassisches Buch?

Schwerpunkt unserer Arbeit wird es erst einmal weiterhin sein, gedruckte Bücher anzubieten. Die Quote der daraus folgenden eBooks wird immer größer sein. Bis auf ganz wenige Ausnahmen gilt bei HOFFMANN UND CAMPE die Regel, dass jedes Buch, das gedruckt vorliegt, auch als eBook angeboten wird. Mit eBooks könnte man vielleicht auch noch mehr Experimente machen, auch mal bestimmte Auszüge veröffentlichen oder Nischen besetzen, bei denen sich ein gedrucktes Buch nicht lohnt. Noch scheint mir aber die Wahrnehmung für eBooks zu gering zu sein, um hier, als Buchverlag jedenfalls, erfolgreich zu sein.

Eine Anmerkung noch zum Preisvergleich in der Produktion und dem Vertrieb von eBooks und gedruckten Büchern: So groß ist der Unterschied gar nicht, wie er nach außen hin wirkt. Wir sparen natürlich an Druckkosten und auch die Logistik ist deutlich vereinfacht. Aber auch bei eBooks haben wir Vertriebspartner, eine Art Auslieferung, die hier mehr einer Server-Verwaltung entspricht. Die druckvorbereitenden Maßnahmen für Satz und Layout sind aber genauso nötig wie natürlich die Beteiligung der Autoren an den Verkaufserlösen. In summe ist es keineswegs so, dass eBooks große Renditevorteile für einen Buchverlag brächten.

Abschlussfrage:

Hoffmann und Campe, eine bekannte Marke im Buchmarkt, unterliegt dem aktuellen Wandel. Wie ist aus ihrer Sicht der Status von HoCa als Marke im eBook-Sektor?

Wir versuchen alle relevanten Plattformen zu bespielen und neue Formate schnell auszuprobieren. Wir wollen nicht nur teilnehmen, sondern mitgestalten. Wir vernetzen uns im Markt und versuchen Know-how in den Verlag zu holen. Insgesamt glaube ich, dass wir das ganz gut hinbekommen, aber der Lernprozess wird nie zu Ende sein und die Aufmerksamkeit deshalb dauerhaft groß sein müssen. Aber: Das macht alles richtig viel Spaß, ist aufregend, weil wirklich etwas Neues, und wird hier im Haus mit großer Energie betrieben.

Danke für die vielen Antworten!

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Nach einer ganzen Weile nun wieder ein Gastblogger bei PadLive: iPad-Nutzerin Heike Bedrich, üblicherweise Gastbloggerin von iPadinside.de, verfasst heute ein paar Zeilen zum Überblick über den Stand der Verlagsbranche. Ich fahre am Donnerstag zum Printhouse-Talk nach Lünen (Verband Druck und Medien) zum Thema “iPad & Co.”.

Heike Bedrich

Im letzten Jahr haben Medienhäuser in allen Ländern dieser Welt an ihrer iPad-Strategie gearbeitet. Von einfachen pdf-Versionen bis hin zu aufwändigen multimedialen Darstellungen konnten iPad-Nutzer einen Eindruck gewinnen, wie Medienpublikationen zukünftig aussehen könnten.

Große Begeisterung löste zum Beispiel das Wired Magazin unter den iPad-Nutzern aus, aber auch die Vogue, The Iconomist und nicht zu vergessen The Daily. Seit einigen Monaten ist es ruhiger geworden und man gewinnt den Anschein, dass in vielen Medienhäusern Ernüchterung eingetreten ist und die ersten Gehversuche kritisch beäugt werden. Was funktioniert, was lässt man lieber vorerst bleiben?

Es wurde viel Geld investiert, bei The Daily bis zu 30 Millionen US-Dollar. Und trotz einem Team von 100 Journalisten ist es Ruppert Murdoch bislang nicht gelungen, The Daily zum Erfolg zu führen. So berichtete vor wenigen Wochen die Süddeutsche Zeitung (Ausgabe vom 21./22. April 2011), dass The Daily womöglich nur noch über 5000 Nutzer verzeichnet. The News Corporation berichtete dagegen Anfang Mai, dass die App bis zu 800.000mal in den ersten zwei Monaten heruntergeladen wurde.

„Alle sind enttäuscht, von The Daily und Murdoch von den Lesern”, so Jörg Häntzschel von der SZ und News Corporate räumt ein, dass mit The Daily ca. 10 Millionen US-Dollar Verlust im ersten Quartal eingefahren wurden. Für schwarze Zahlen braucht Rupert Murdoch aber mehr als eine halbe Million Abonnenten, die bereit sind über ein ganzes Jahr pro Woche 99 Cent für The Daily zu bezahlen.

Ob The Daily diese halbe Million Abonnenten gewinnen kann ist fraglich. Im App-Store liest man von Abbrüchen, Crashs und ewigen Warteschlangen. Die App lädt zu langsam, zu langsam für den verwöhnten Newsjunkie. Die App beinhaltet zuviel Bewegtbild, und leider auch zuviel Werbung. Die Liste der Mängel aus Sicht der User ist lang. Zwischen den Zeilen entnimmt man aber auch, dass die User der App eine Chance geben möchten. Aber wie lange noch?

Murdoch wollte vielleicht zu viel, zu viel Bild, zu viel Ton, zu viel Bewegtbild. Zu viel für den Nutzer? Dieser möchte zwar so viel wie möglich an Informationen innerhalb kurzer Zeit für sein Geld erhalten, aber zu viele Informationen in einer App sind nicht leicht zu konsumieren. Betrachtet man die derzeitigen Diskussionen und die erhältlichen Zahlen sowie das Verhalten der Medienhäuser, so erhält man den Eindruck, dass viele Medienhäuser ihre iPad- bzw. Tablet-Strategie nochmals überdenken. In einem kürzlich erschienenen Report von Nielsen liest man „…that many iPad apps are confusing users by being too subtle about the gestures needed to navigate them, and some are not sensitive enough to the accuracy limit of fingertips.” Desweiteren macht der Autor darauf aufmerksam, dass zu viele Designer zu kreativ auf dem iPad sein möchten: ABC News’ display of stories in a spinnable globe was visually surprising to users, but ultimately was a poor use of the large screen of the iPad.

Experimente auf neuen Geräten sind wichtig und zeigen mögliche zukünftige erfolgreiche Wege auf. Mich erinnern die im letzten Jahr gelaunchten Medienproduktion auf dem iPad dennoch ein wenig an den Einzug von HTML-Seiten und Flash-Experimente im Browser vor 15 Jahren. Nur leider waren sie für den User ein einziges Ärgernis. Jetzt nach 15 Jahren und um einige Bandbreiten schneller, können Flash – Applikationen Spaß und Mehrwert bringen. iPad Medienproduktionen werden sicherlich keine 15 Jahre darauf warten müssen, bis sie ihre Einzigartigkeit, Größe und Vielfalt dem User präsentieren dürfen, vielleicht braucht es derzeit nur ein wenig Reduktion in der Grafik und ein tieferes Verständnis, welche Inhalte auf dem IPad gelesen werden und wieviele Inhalte in einer App konsumiert werden können. Möglich ist, dass User auf dem iPad keine größeren Textpassagen lesen möchte, bzw. die News lieber im Browser googeln. Userfreundlich in Sachen News sind sogenannte Social Media Magazine wie Zite oder Flipboard. Dort stammen die Inhalte aus unterschiedlichen Online-Medien, die in einem Magazin kostenlos zusammengestellt werden können und den Anschein eines kompletten Magazins von der ersten Seite ab simulieren.

Dass Medienproduktionen wie die der Vogue oder The Iconomist und auch The Daily ein ‚Krönchen‘ aufgesetzt werden muss, liegt auf der Hand: es ist Der Mut der Medienmacher, die der gesamten Branche bereits im Anfangsstadiums eine neuartigen Gattung zeigten, was einmal „zum Standardreportaire eines jeden guten Medienhauses“ gehören wird. Wenn auch nicht sofort heute, dann bestimmt in weniger als zwei Jahren. Bis dahin heißt es: Reduktion! Im Inhalt, in der Grafik, im Bewegtbild und in der Größe der App. Getreu dem Motto: Weniger ist mehr!