(Ein Zitat von Herrn Konrad Adenauer)
…oder das gefühlte “Recht auf Vergessen” ist nicht (der einzige) falsche Ansatz
Hatte heute ein Telefonat mit Robert Basic. Dabei ergaben sich drei Gedanken für Blog-Beiträge. Robert und ich vereinbarten jeder zu einem der Themen ein paar Zeilen zu verfassen. Los geht’s!
2050
Zu der Zeit bin ich 80 Jahre alt. Stellen wir uns einfach vor… ein sonniger Tag in der Essener Innenstadt. Thyssen-Krupp und die WAZ haben vor über 30 Jahren die Firmenzentrale in die “Neue Innenstadt” verlegt und das große Einkaufszentrum um die Ecke verfällt langsam.
Ich gehe mit meinem Spazierstock – man ist ja keine 20 mehr – gerade durch die Stadt, vorbei am wiedereröffneten Unperfekthaus und der Ruine von großen Einkaufszentrum. Plötzlich spricht mich ein Herr an, der vor dem Unperfekthaus sitzt: “Hallo, sind Sie nicht DER Gerhard Schröder?”
“Ja, richtig. Mein Name ist Gerhard Schröder. Kennen wir uns?”
“Sie – Sie haben doch am 12. März 2012 etwas unglaublich Dummes auf Facebook geschrieben!”
“Ich habe zu der Zeit viel in meinem Blog veröffentlicht, via Facebook und Twitter… Dann noch Youtube… Sicher war auch viel Kopfkino…”
“Ach was! Sie haben da gesagt…”
Habe ich? Bestimmt!
Es wäre ein Zitat von vor 38 Jahren.
Eine wahre Geschichte
Ein Personaler bewirbt sich auf eine Stelle und wird zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Im Rahmen des Gesprächs spricht der Personalchef den Bewerber auf seine Vergangenheit an. Er wäre ja Rallyfahrer, ob das nicht GEFÄHRLICH sei!
Der Personaler schaut den Personalchef an und erwidert, er sei vor 20 Jahren Rallye gefahren. Wie der Herr denn auf das Thema kommen würde.
Nun, man habe “im Internet”…
Der Personaler sagt dann dazu, er sei inzwischen viel Jahre ÄLTER, habe eine Frau und Kinder. Und die Fotos aus “dem Internet” sein aus den Siebzigern / Achtzigern.
Das Recht auf Vergessen
Es gibt ja die Diskussion zum Löschen alter Beiträge aus Facebook und Co. Vielleicht brauchen wir auch eine Diskussion über unser Verständnis von archivierten Inhalten in der heutigen Zeit. Uns ALLEN sind sicher alte Führerscheinbilder oder Fotos aus unserer Jugend “peinlich”. Ich sage nur “große Schulterploster” oder “Frisuren”. Und wenn ein Mensch “unter 30″ diese Zeilen liest und die Zeilen nicht verstehen kann… einfach 10-20 Jahren warten!
Ich meine nicht, das man jede echte Dummheit auch
nach solch einer Zeit unter den Teppich kehren sollte,
aber nach 38 Jahren ein alltägliches Facebook-Zitat?
(Dient nur als überspitztes Beispiel…)
Gibt es eine Diskussion im Web zum Thema “Toleranz über alte Beiträge”, die ich nur noch nicht wahrgenommen habe? Freue mich über Links, Kommentare und überhaupt: Euer Kopfkino zum Thema.
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Wer in diesem Themenbereich einiges schreibt ist Michael Seemann (@mspro). Er betrachtet das Phänomen im Rahmen des “Kontrollverlusts”, der mit der Veröffentlichung beliebiger Daten einhergeht. Beispiel: Gute Daten, böse Daten.
In ähnlicher Richtung, wenn auch mit teils anderen Schlussfolgerungen diskutiert die Datenschutzkritische Spackeria.
Danke für die Links